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Apr 18 2008

Konzentrationslager als Lego-Bausatz

Category: Aktuelle NachrichtenMoni @ 14:34

oder anders: Kunst vs. Geschmacklosigkeit.

Beim Stöbern durch verschiedene News-Portale bin ich zufällig über einen Artikel aus dem Focus gestolpert, der aufgrund des Wortes „Lego“ im Titel meine Aufmerksamtkeit auf sich zog. Dort wird von einer Ausstellung berichtet, in der sich verschiedene Künstler mit dem Thema des Absurden („Ad Absurdum“) auseinandergesetzt haben. Zu sehen gibt es u.a. einen tonnenschweren Zuckerberg, aus dem ein Einkaufwagen ragt oder eine Waschmaschine, die Lebensmittel aufnimmt und verdaut und weiter unten würstchenförmige Exkremente ausscheidet (wtf!?) Bei jeder einzelnen Arbeit drängt sich einem unweigerlich die Frage nach Sinn, Aussage und Funktion des Werkes auf. Doch das Produkt des polnischen Künstler Zbigniew Libera sprengt, meiner Meinung nach, den Rahmen der künstlerischen Freiheit und ist schon arg geschmacklos:

Lego Concentration Camp, 1996

(weitere Fotos)

Was mir dieses Werk jetzt sagen oder vermitteln will, das entzieht sich meiner Phantasie. Die fröhlich unbeschwerte Welt der Legosteine mit den Grausamkeiten eines Konzentrationslagers zu verknüpfen, empfinde ich als völlig deplatziert, geschmacklos und sinnbefreit. Dass der Künstler selbst Pole ist, setzt dem Grotesken noch eins oben drauf. Mag sein, dass genau das das Ziel der Ausstellung ist, aber dafür muss man sich nicht gerade an dem Thema der Judenvernichtung bedienen. Irgendwo muss auch die künstlerische Freiheit ihre Grenzen haben, allein schon aus Respekt den Opfern gegenüber.

Wenn ich mir vorstelle, dass irgendwo auf der Welt ein Kind auf dem Fußboden seines Zimmers sitzt und mit Skeletten und Aufsehern lustig Konzentrationslager spielt, wird mir ehrlich schlecht. Wie wird/würde sich erst ein Mensch fühlen, der die Umstände in solch einem Lager am eigenen Leben mit- und überlebt hat und dessen Grausamkeit hier auf ein Kinderspielzeug heruntergenbrochen wird?

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